Romanexperiment

Anweisung für Testleser

Verfasst von azahar am Januar 8, 2009

Ich habe es tatsächlich noch vor Weihnachten geschafft:
Den Winddämon (der übrigens jetzt Daimonión heisst, ja das hängt mit Sokrates und dem Gewissen und so zusammen…) zu überarbeiten und einen Fragebogen zu erstellen. Obwohl ich mir inzwischen denke, dass ich die Leser noch viel mehr hätte fragen sollen… na ja, vielleicht kommt das noch, seid schon mal gewarnt! *hehehe*

Auf ajounies und Fudges Anregung hin habe ich eine kurze Arbeitsanweisung für die Testleser geschrieben. Vielen Dank euch beiden für die Idee! Die war goldwert!

Vielleicht könnte das ganze auch als Anregung für andere Autoren dienen, die ihren Testlesern einen Schubs in die gewünschte Richtung geben wollen, deshalb stelle ich das ganze hier mal ein (und auch wenn diese Leserunde inzwischen schon angelaufen ist, bin ich natürlich trotzdem dankbar für alle Verbesserungsvorschläge):

(Sorry, leider habe ich es nicht hingekriegt das ganze in einer anderen Schriftart einzustellen… azahar und Technik…)

Vielen Dank, dass du dich dazu bereit erklärt hast, meinen Roman zu lesen und zu kommentieren.

Zu aller erst: Ich möchte, dass dir das Lesen der Geschichte Spass macht und dass du sie so liest, als wäre es irgendein Buch aus deinem Bücherregal.
Gleichzeitig will ich dich aber bitten, dass du immer einen Stift neben dir liegen hast, damit du Stellen, die dir nicht gefallen, oder zu denen du etwas sagen möchtest, anstreichen kannst. Du darfst in dem Manuskript rumkritzeln, schmieren, zeichnen, Eselsohren in die Seiten machen, Teetassen darauf abstellen, Flecken hinterlassen… was immer du willst. Nur bitte, mach etwas damit, bevor du es mir zurückschickst.

Um dir die Beurteilung und die Kommentare zu erleichtern, habe ich einen Fragebogen entworfen und beigelegt. Es hat aber erst Sinn, ihn auszufüllen, nachdem du den Roman gelesen hast. Mach es dann aber bitte UNBEDINGT!!! (Vorsicht, der Fragebogen könnte dir das Ende der Geschichte verraten, also besser erst danach lesen!)

Vielleicht fragst du dich jetzt: Ja, aber was willst du denn von mir wissen? Auf was soll ich beim Lesen achten?
Ganz einfach, auf alles, was dir auffällt:

- Gibt es Stellen, die langweilig sind, die du am liebsten überblättern möchtest, weil sie nicht spannend sind und sie dich nicht interessieren? Sag es mir!

- Geht es dir an irgendeiner Stelle der Geschichte zu schnell und du möchtest mehr wissen? Beschwer dich!

- Würdest du irgendeinen Teil der Geschichte am liebsten streichen? Dann tu es, dafür hast du den Rotstift.

- Verlierst du irgendwo den Faden? Weisst du plötzlich nicht mehr, um was es in der Geschichte geht, was jede Figur tut oder sagt und warum sie es tut? Fehlen dir irgendwo Erklärungen, mehr Details? Klopf mir auf die Finger!

- Stolperst du über ungelenke Formulierungen, Schachtelsätze, etc., die keinen Sinn ergeben? Sticht dir irgendetwas grammatikalisch gruseliges ins Auge, oder möchtest du dich bei manchen Ausdrücken vor Lachen ganz einfach unter den Tisch / das Sofa / Bett schmeissen, weil sie sich so blöd anhören? Lass mich mitlachen! Ich habe es sicher noch nicht bemerkt und bin froh, wenn es mir jemand sagt, bevor das ganze in die Hände eines Verlagslektors fällt.

- Natürlich darfst du mir auch Rechtschreibfehler, Kommafehler, Wortwiederholungen etc. anstreichen, wenn sie dir zufällig unterkommen. Aber du musst nicht extra danach suchen. Das wäre Zeitverschwendung und würde dir den Spass am Lesen verderben.

- Alles was dir sonst noch ein- oder auffällt…

Hört sich das kompliziert oder schwer an? Ich hoffe nicht!

Auf der folgenden Seite möchte ich dir noch ein paar Anregungen geben, damit deine Arbeit (denn ja, es ist Arbeit, auch wenn es für dich vielleicht ein Vergnügen darstellt) zu etwas gut ist, mir hilft und du sie nicht umsonst machst:

1.  Kritik muss nicht positiv sein, um zu helfen. Ganz im Gegenteil, es sind die negativen Anmerkungen, die dem Autor die Augen öffnen und ihm zeigen, woran er arbeiten muss, um besser und schliesslich so perfekt zu werden, dass er sich daran wagen kann, seinen Roman zu veröffentlichen.
Als Schrifsteller ist man für die eigenen Fehler meistens vollkommen blind und bemerkt sie erst, wenn jemand anders einen mit der Nase darauf stösst.
Das ist schön, du schreibst einfach toll! ist zugegebener Massen wohl einer der Sätze, die jeder Autor am liebsten hört, aber als Kritik ist er vollkommen nutzlos.

Daher möchte ich dich bitten, mir ehrlich deine Meinung zu sagen und kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn dir irgendetwas missfällt.
Wenn dir etwas sehr gefällt, darfst du das aber natürlich auch anmerken. Dann weiss ich nämlich, dass ich es das nächste mal wieder so machen kann.

2.  Ich bin nicht meine Geschichte und meine Geschichte ist nicht ich. Bitte vergiss mich, sobald du anfängst, den Roman zu lesen. Stell dir zum Beispiel vor, du hättest das Buch gerade in einer Buchhandlung gekauft und es ist von einem Autor, den du überhaupt nicht kennst, ja nicht einmal weisst, wie er aussieht, da nirgendwo ein Bild von ihm abgedruckt ist.

Die Meinungen, Gedanken, Handlungen und Erlebnisse der Figuren, haben mit den meinen nichts zu tun und sind reine Fiktion. Mach dir von Anfang an klar, dass du mit deinen Kommentaren nicht mich / meinen Charakter / meine Person beurteilst, sondern nur eine Geschichte. Für mich hat alles was du im Kommenden schreiben, denken, vermuten oder meinen wirst, nichts mit mir zu tun, sondern nur mit den Worten auf dem Papier.

3.  Drei Fragen, die dir dabei helfen können, das auszudrücken, was du sagen willst, und die mir helfen werden, deine Meinung zu verstehen:
Was? Warum? Wie sonst?

Hier ein kleines Beispiel, damit du dir eine Idee von dem machen kannst, was ich meine:

Ich finde es nicht gut (Was?), dass du nicht erklärst, wie die Kirche aussieht, ob sie alt ist oder neu, verfallen oder ein barocker Prunkbau (Warum?), weil ich mir so überhaupt nicht vorstellen kann, zu was sie benutzt wird. Ob darin noch Messen gehalten werden, oder ob sie nur eine Ruine in der toskanischen Landschaft ist. (Wie sonst?) Du könntest eine kurze Beschreibung in den Text einfüge, oder, falls die Kirche später im Buch nicht mehr wichtig ist, sie ganz einfach weglassen.

Natürlich müssen deine Kommentare nicht so ausführlich sein. Vor allem das „Wie sonst?“ musst du nicht beantworten, wenn dir nichts einfällt, meine grauen Zellen wollen ja auch noch ein bisschen was zu tun haben. Das einzige, um was ich dich bitte, ist, dass du es begründest, wenn du irgendetwas schlecht / gut findest.

So, jetzt aber genug Theorie!
Ich wünsche dir viel Spass beim Lesen!

Anmerkung um dem Copyright Genüge zu tun und ein bisschen Werbung für einen tollen Blog zu machen:
Anregungen für diesen Text habe ich auf Jackys „Schriftsteller werden“-Blog in einem Beitrag über Konstruktive Kritik gefunden.

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