Lebensläufe
Verfasst von azahar am September 8, 2008
Nachdem ich mit dem Roman im Moment nicht gross vorwärts komme, habe ich mir gedacht, ich könnte mal ein bisschen was über Dinge erzählen, die mir während dem Schreiben weitergeholfen haben.
Bis vor einem Jahr konnte ich ja mit Theorie und Büchern übers Schreiben gar nichts anfangen. Ich kaufte mir zwar hin und wieder mal ein Buch, las es sogar durch, fand es meistens auch relativ interessant, aber danach stellte ich es in irgendein Regal zum Verstauben. Ich schrieb, weil es mir Spass machte, weil die Geschichten irgendwie in meinem Kopf entstanden und raus mussten, mit solch langweiligen Dingen wie Charakteren, Handlungssträngen und Plot-Entwicklung wollte ich mich nicht aufhalten.
Im Dezember 2007 jedoch, an einem langweiligen regnerischen Sonntagnachmittag, holte ich, weil ich sonst überhaupt nichts zu tun hatte, James N. Freys „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ aus dem Schrank und begann darin zu schmökern. Schon nach den ersten paar Seiten überfiel mich eine ziemlich große Unruhe. Die Dinge, über die er sprach, klangen sehr logisch und nachvollziebar und ich hatte unwillkürlich begonnen die Punkte, die er anschnitt, in meinen eigenen Romanen zu suchen und zu überprüfen.
Ich will vorerst mal nicht ins Detail gehen, aber plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich erkannte gleich mehrere Defizite auf einmal. Es war mir unverständlich, dass ich diese nicht schon längst selbst bemerkt hatte.
Fangen wir mit etwas Grundlegendem an. Den Charakteren, Hauptpersonen, Protagonisten, wie auch immer man sie nennen will.
Natürlich kannte ich sie meist relativ gut, sie waren ja meine Kinder, in meinem Kopf entstanden, aber ich ließ mich schließlich dennoch auf den Vorschlag ein, doch mal einen ganzen Lebenslauf für jeden einzelnen zu schreiben.
Von anderer Seite hatte ich oft gehört, dass Autoren „Charakterbögen“ für jede Figur anlegen würden. Also so eine Art Steckbrief mit Name, Augenfarbe, Lieblingsessen etc. Aber damit konnte ich nie viel anfangen. So was war meist schnell ausgefüllt und die Informationen, die ich darin finden sollte, kannte ich eh schon in- und auswendig.
Aber was durch das Lebenslauf schreiben alles ans Tageslicht kam, war wirklich erstaunlich. Daniel z.B., den ich ja nur durch Tanias Augen und Wahrnehmungen kannte, ließ ich in der ersten Person von sich erzählen und er hörte gar nicht mehr auf zu plaudern.
Daniels Lebenslauf, nur mal als Beispiel, könnt ihr (in abgeänderter Form, als Interview, um das ganze für Leser interessanter zu machen) hier nachlesen: Ein Roman in einem Jahr – Übungsaufgabe 19
So ein Lebenslauf ist beim Schreiben eines Romanes sehr nützlich (vor allem dann, wenn man ihn anfertigt bevor man mit dem Schreiben anfängt… na ja, so viel dazu), da man somit schon mal eine Grundstruktur hat, an der man sich als Autor festhalten kann. Ihre Vergangenheit, das Aussehen, ihre Einstellungen, alles was sie erlebt hat, beeinflussen eine Figur, genau wie jeden realen Menschen in ihren/seinen Handlungen. Eine Person z.B., die als Kind, ihre ganze Familie durch einen Verkehrsunfall verloren hat, wird eine andere Einstellung zum Leben haben, als jemand, der behütet im Kreise seiner Eltern und Geschwister aufgewachsen ist.
Natürlich sollte man das ganze aber nicht übertreiben. Manche Schreibratgeber weisen darauf hin, dass man sogar die Farbe der Unterhosen kennen sollte, die der/die ProtagonistIn trägt. m.E. ist das im übertragenen Sinne zu verstehen, aber ich habe allzuoft Aussagen von Autoren gehört, die das wortwörtlich und vollkommen ernst nehmen.
Man sollte sich auf die Ereignisse in der Vergangenheit, die Teile der Persönlichkeit, etc. beschränken, die für den Roman wichtig sind. Hinzufügen kann man später immer noch was, sollte etwas fehlen.
Nachsatz:
Ok, der link funktioniert nicht, egal, was ich anstelle. Versucht es mal so: Ihr geht auf „Ein Roman in einem Jahr„, wählt rechts “Kapitel 19 mit Übungsaufgabe“ aus, scrollt runter bis zu den Leserbeiträgen und gebt unter „Nach Beitragsnummer suchen“ die folgende Nummer ein: 11789
Falls es nicht klappt, melden, dann stell ich den Text vielleicht sogar hier im Blog ein.
G.Nem sagte
Der Frey ist sehr gut. Was ich dir auch noch als letzten Schliff empfehlen kann SYD FIELD – Das Handbuch zum Drehbuch. Was für Drehbücher gilt, gilt auch für Romane. Spannungaufbau etc.
azahar sagte
@ Gabriel
Ja, von Syd Field habe ich auch schon gehört. Auf meiner Leseliste steht im Moment aber zuerst noch Sol Steins „Über das Schreiben“
Wobei mir gerade auffällt: Warum liest du sowas?!!!