Gestern Abend habe ich 2 Stunden damit verbracht einen Grundriss von Daniels Wohnung zu zeichnen.
Warum?
Weil ich bei einer Szene bemerkte, dass seine Wohnung, die Verbindungstüren zwischen den Zimmern, die Lage der einzelnen Räume etc. egal wie man es drehte und wendete, so wie ich mir das immer vorgestellt hatte, gar nicht existieren können. Das ganze wäre nicht nur bautechnisch, sondern auch logisch vollkommen unmöglich gewesen.
Sowas müsste man als Autor von Anfang an merken?
Ja, Pustekuchen.
In meinem Kopf entstehen beim Schreiben automatisch Bilder von den Orten, an denen die Handlung stattfindet. Sie sind einfach da, da kann ich gar nichts machen. Ich muss dabei auch nicht gross überlegen, nein, die kommen ganz von selbst. Wenn ich an einer bestimmten Stelle z.B. die Tür zum Schlafzimmer brauche, dann baut mein Gehirn sie ganz einfach dort ein, ohne sich zu fragen, ob das überhaupt möglich ist.
Nun, jedenfalls hat Daniels Wohnung jetzt einen festen Grundriss und er hat sogar noch eine richtige Praxis und nicht nur ein Büro dazubekommen. Tja, so schnell kann das gehen. Jetzt muss ich zwar wieder anfangen umzuschreiben, aber das macht nichts. Das ganze passte einfach zu perfekt. Der kleine Anbau, der früher mal eine Garage war, wurde mit dem Haus verbunden und somit konnte ein weiterer Raum + kleinen Flur dazugewonnen werden, der durch eine Verbindungstür von Daniels Büro aus zu erreichen ist und einen separaten Eingang hat, damit die Patienten nicht durch die Wohnung gehen müssen.
Das war wie ein Flash, ich sah die raue weiss getünchte Aussenwand des flachen Anbaus vor mir, die Eingangstür aus weiss lackiertem Holz mit dem, in vier Quadrate unterteilten, Fenster aus strukturiertem und dadurch undurchsichtigen Glas im oberen Teil, das Namensschild rechts daneben auf Augenhöhe, bronzefarben mit schwarzer Schrift. Daniel Ellwein, Dipl. Psychologe. Und schon war es geschehen.
Ich bin jedenfalls immer noch hellauf begeistert. Durch diese kleine Übung ist mir die Wohnung viel näher gekommen und ich habe das Gefühl, gedanklich darin herumspazieren zu können und wie ein neugieriger Besucher Ecken und Winkel entdecken zu können, die ich bis jetzt noch nicht bemerkt habe. Ja, bisweilen ziehe ich sogar Schubladen auf oder wühle in Schränken, entdecke Bilder an den Wänden oder Kratzer im Boden.
Gedankliche Notiz:
Ich muss jetzt endlich unbedingt herausfinden, was genau man für eine Ausbildung braucht, um als Psychologe praktizieren zu dürfen, eine Kassenzulassung zu bekommen etc.
Reicht da das Diplom oder muss man zwingend noch ein Aufbaustudium zum Psychotherapeuten machen? Das wäre nämlich in Daniels Fall ganz schlecht. Der hat nach dem Psychologiestudium ja noch einen Abschluss als Musiktherapeut gemacht, da hätte der für sowas gar keine Zeit gehabt.
Um ehrlich zu sein, muss ich noch sehr sehr viel über dieses Berufsfeld herausfinden, auch wenn das ganze dann im Roman insgesammt vielleicht nicht mehr als eine Seite Erwähnung findet. Peinliche Fehler sind schnell gemacht und ausserdem ermöglicht jedes Gramm Wissen eine detailliertere und authentischere Beschreibung und somit eine lebendigere und wirklichkeitsnähere Gestaltung der Geschichte. Davon bin ich überzeugt.
Wow, ich sollte einen Ratgeber schreiben.
Keine Ahnung von nichts, aber eine grosse Klappe.
PS: Falls sich unter meinen werten Lesern ein Psychologe befindet oder jemand der einen Psychologen kennt, der Lust hätte ein bisschen zu plaudern, spendiere ich gerne einen Kaffee, oder zwei, oder drei. Vielleicht sogar ein Abendessen (aber nur wenn der Psychologe männlich und vorzeigbar ist
)
Nein, ihr braucht nicht um meinen mentalen Zustand zu fürchten. Ich mache mir keine Hoffnungen über diesen Blog an Informationen zu gelangen. Aber einen Versuch ist es immerhin wert.