Romanexperiment

Archiv für August 2008

das Freud mich jetzt gar nicht

Verfasst von azahar am August 6, 2008

So, hab den Vormittag im Büro genutzt und mich mal per Internet ein bisschen schlau gemacht. Um legal therapieren, eine eigene Praxis führen zu können und eine Kassenzulassung zu bekommen, muss man eine Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten (warum hört sich das bloss so doppelt gemoppelt an?) abgeschlossen haben. Und die dauert Vollzeit mind. 3, Teilzeit mind. 5 Jahre.

Shit!
Daniel muss jetzt entweder sehr viel älter werden oder aber ich muss mir was anderes überlegen.
Er könnte z.B. nur eine Zusatzausbildung zum Klinischen Musiktherapeuten (ohne Hochschulabschluss) noch während seiner Psychotherapeutenausbildung abgeschlossen haben. Oder er könnte gleich von vornherein einen Musiktherapiestudiengang belegt und danach eine Ausbildung zum Kinder- und Jugendpsychotherapeuten gemacht haben. Oder er befindet sich gerade noch in der Ausbildung, aber das wäre ziemlich nervig.

Wahrscheinlich sollte man sowas alles recherchieren, bevor man mit einem Roman anfängt, aber ich denke, oft ergeben sich gewisse Dinge auch erst mit der Zeit. Jede Figur hat ein gewisses Eigenleben, das sich erst während dem Schreiben offenbart.
Ausserdem denke ich, dass umschreiben, umgestalten und neue Dinge, vielleicht sogar Handlungsstränge hinzuzufügen, eine Geschichte nur beleben kann.

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Gedankenarchitektur

Verfasst von azahar am August 1, 2008

Gestern Abend habe ich 2 Stunden damit verbracht einen Grundriss von Daniels Wohnung zu zeichnen.

Warum?
Weil ich bei einer Szene bemerkte, dass seine Wohnung, die Verbindungstüren zwischen den Zimmern, die Lage der einzelnen Räume etc. egal wie man es drehte und wendete, so wie ich mir das immer vorgestellt hatte, gar nicht existieren können. Das ganze wäre nicht nur bautechnisch, sondern auch logisch vollkommen unmöglich gewesen.

Sowas müsste man als Autor von Anfang an merken?
Ja, Pustekuchen.
In meinem Kopf entstehen beim Schreiben automatisch Bilder von den Orten, an denen die Handlung stattfindet. Sie sind einfach da, da kann ich gar nichts machen. Ich muss dabei auch nicht gross überlegen, nein, die kommen ganz von selbst. Wenn ich an einer bestimmten Stelle z.B. die Tür zum Schlafzimmer brauche, dann baut mein Gehirn sie ganz einfach dort ein, ohne sich zu fragen, ob das überhaupt möglich ist.

Nun, jedenfalls hat Daniels Wohnung jetzt einen festen Grundriss und er hat sogar noch eine richtige Praxis und nicht nur ein Büro dazubekommen. Tja, so schnell kann das gehen. Jetzt muss ich zwar wieder anfangen umzuschreiben, aber das macht nichts. Das ganze passte einfach zu perfekt. Der kleine Anbau, der früher mal eine Garage war, wurde mit dem Haus verbunden und somit konnte ein weiterer Raum + kleinen Flur dazugewonnen werden, der durch eine Verbindungstür von Daniels Büro aus zu erreichen ist und einen separaten Eingang hat, damit die Patienten nicht durch die Wohnung gehen müssen.
Das war wie ein Flash, ich sah die raue weiss getünchte Aussenwand des flachen Anbaus vor mir, die Eingangstür aus weiss lackiertem Holz mit dem, in vier Quadrate unterteilten, Fenster aus strukturiertem und dadurch undurchsichtigen Glas im oberen Teil, das Namensschild rechts daneben auf Augenhöhe, bronzefarben mit schwarzer Schrift. Daniel Ellwein, Dipl. Psychologe. Und schon war es geschehen.

Ich bin jedenfalls immer noch hellauf begeistert. Durch diese kleine Übung ist mir die Wohnung viel näher gekommen und ich habe das Gefühl, gedanklich darin herumspazieren zu können und wie ein neugieriger Besucher Ecken und Winkel entdecken zu können, die ich bis jetzt noch nicht bemerkt habe. Ja, bisweilen ziehe ich sogar Schubladen auf oder wühle in Schränken, entdecke Bilder an den Wänden oder Kratzer im Boden.

Gedankliche Notiz:
Ich muss jetzt endlich unbedingt herausfinden, was genau man für eine Ausbildung braucht, um als Psychologe praktizieren zu dürfen, eine Kassenzulassung zu bekommen etc.
Reicht da das Diplom oder muss man zwingend noch ein Aufbaustudium zum Psychotherapeuten machen? Das wäre nämlich in Daniels Fall ganz schlecht. Der hat nach dem Psychologiestudium ja noch einen Abschluss als Musiktherapeut gemacht, da hätte der für sowas gar keine Zeit gehabt.

Um ehrlich zu sein, muss ich noch sehr sehr viel über dieses Berufsfeld herausfinden, auch wenn das ganze dann im Roman insgesammt vielleicht nicht mehr als eine Seite Erwähnung findet. Peinliche Fehler sind schnell gemacht und ausserdem ermöglicht jedes Gramm Wissen eine detailliertere und authentischere Beschreibung und somit eine lebendigere und wirklichkeitsnähere Gestaltung der Geschichte. Davon bin ich überzeugt.
Wow, ich sollte einen Ratgeber schreiben. :-D :-D :-D Keine Ahnung von nichts, aber eine grosse Klappe.

PS: Falls sich unter meinen werten Lesern ein Psychologe befindet oder jemand der einen Psychologen kennt, der Lust hätte ein bisschen zu plaudern, spendiere ich gerne einen Kaffee, oder zwei, oder drei. Vielleicht sogar ein Abendessen (aber nur wenn der Psychologe männlich und vorzeigbar ist ;-)   )

Nein, ihr braucht nicht um meinen mentalen Zustand zu fürchten. Ich mache mir keine Hoffnungen über diesen Blog an Informationen zu gelangen. Aber einen Versuch ist es immerhin wert.

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Veränderungen

Verfasst von azahar am August 1, 2008

Ich muss gestehen, das Romanexperiment, so wie es am Anfang gedacht war, existiert nicht mehr.
Der Roman an sich nimmt dagegen immer deutlichere Formen an. Ich habe lange gezweifelt, aber schliesslich beschlossen, hier keine neuen Teile mehr einzustellen. Erstens soll sich das Buch ja irgendwann auch noch verkaufen, zweitens erfolgen die Änderungen teils so schnell oder so umfassend, dass ich mit der Aktualisierung der Texte gar nicht nachkommen würde. Weite Teile des Romans haben mit den „Urtexten“ inzwischen nicht mehr viel gemeinsam, weder im Inhalt noch im Aufbau.

Um den Blog nicht ganz zu schliessen, werde ich hier aber weiterhin über den Fortschritt meiner Arbeit berichten, – was ich in den vergangenen Monaten ja auch nicht getan habe. Vielleicht können meine Erfahrungen und Erlebnisse anderen unveröffentlichten Autoren wie mir, weiterhelfen. Und sei es nur indem sie meine Fehler nicht wiederholen. ;-)

LG
Azahar

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