Ich habe es tatsächlich noch vor Weihnachten geschafft:
Den Winddämon (der übrigens jetzt Daimonión heisst, ja das hängt mit Sokrates und dem Gewissen und so zusammen…) zu überarbeiten und einen Fragebogen zu erstellen. Obwohl ich mir inzwischen denke, dass ich die Leser noch viel mehr hätte fragen sollen… na ja, vielleicht kommt das noch, seid schon mal gewarnt! *hehehe*

Auf ajounies und Fudges Anregung hin habe ich eine kurze Arbeitsanweisung für die Testleser geschrieben. Vielen Dank euch beiden für die Idee! Die war goldwert!

Vielleicht könnte das ganze auch als Anregung für andere Autoren dienen, die ihren Testlesern einen Schubs in die gewünschte Richtung geben wollen, deshalb stelle ich das ganze hier mal ein (und auch wenn diese Leserunde inzwischen schon angelaufen ist, bin ich natürlich trotzdem dankbar für alle Verbesserungsvorschläge):

(Sorry, leider habe ich es nicht hingekriegt das ganze in einer anderen Schriftart einzustellen… azahar und Technik…)

Vielen Dank, dass du dich dazu bereit erklärt hast, meinen Roman zu lesen und zu kommentieren.

Zu aller erst: Ich möchte, dass dir das Lesen der Geschichte Spass macht und dass du sie so liest, als wäre es irgendein Buch aus deinem Bücherregal.
Gleichzeitig will ich dich aber bitten, dass du immer einen Stift neben dir liegen hast, damit du Stellen, die dir nicht gefallen, oder zu denen du etwas sagen möchtest, anstreichen kannst. Du darfst in dem Manuskript rumkritzeln, schmieren, zeichnen, Eselsohren in die Seiten machen, Teetassen darauf abstellen, Flecken hinterlassen… was immer du willst. Nur bitte, mach etwas damit, bevor du es mir zurückschickst.

Um dir die Beurteilung und die Kommentare zu erleichtern, habe ich einen Fragebogen entworfen und beigelegt. Es hat aber erst Sinn, ihn auszufüllen, nachdem du den Roman gelesen hast. Mach es dann aber bitte UNBEDINGT!!! (Vorsicht, der Fragebogen könnte dir das Ende der Geschichte verraten, also besser erst danach lesen!)

Vielleicht fragst du dich jetzt: Ja, aber was willst du denn von mir wissen? Auf was soll ich beim Lesen achten?
Ganz einfach, auf alles, was dir auffällt:

- Gibt es Stellen, die langweilig sind, die du am liebsten überblättern möchtest, weil sie nicht spannend sind und sie dich nicht interessieren? Sag es mir!

- Geht es dir an irgendeiner Stelle der Geschichte zu schnell und du möchtest mehr wissen? Beschwer dich!

- Würdest du irgendeinen Teil der Geschichte am liebsten streichen? Dann tu es, dafür hast du den Rotstift.

- Verlierst du irgendwo den Faden? Weisst du plötzlich nicht mehr, um was es in der Geschichte geht, was jede Figur tut oder sagt und warum sie es tut? Fehlen dir irgendwo Erklärungen, mehr Details? Klopf mir auf die Finger!

- Stolperst du über ungelenke Formulierungen, Schachtelsätze, etc., die keinen Sinn ergeben? Sticht dir irgendetwas grammatikalisch gruseliges ins Auge, oder möchtest du dich bei manchen Ausdrücken vor Lachen ganz einfach unter den Tisch / das Sofa / Bett schmeissen, weil sie sich so blöd anhören? Lass mich mitlachen! Ich habe es sicher noch nicht bemerkt und bin froh, wenn es mir jemand sagt, bevor das ganze in die Hände eines Verlagslektors fällt.

- Natürlich darfst du mir auch Rechtschreibfehler, Kommafehler, Wortwiederholungen etc. anstreichen, wenn sie dir zufällig unterkommen. Aber du musst nicht extra danach suchen. Das wäre Zeitverschwendung und würde dir den Spass am Lesen verderben.

- Alles was dir sonst noch ein- oder auffällt…

Hört sich das kompliziert oder schwer an? Ich hoffe nicht!

Auf der folgenden Seite möchte ich dir noch ein paar Anregungen geben, damit deine Arbeit (denn ja, es ist Arbeit, auch wenn es für dich vielleicht ein Vergnügen darstellt) zu etwas gut ist, mir hilft und du sie nicht umsonst machst:

1.  Kritik muss nicht positiv sein, um zu helfen. Ganz im Gegenteil, es sind die negativen Anmerkungen, die dem Autor die Augen öffnen und ihm zeigen, woran er arbeiten muss, um besser und schliesslich so perfekt zu werden, dass er sich daran wagen kann, seinen Roman zu veröffentlichen.
Als Schrifsteller ist man für die eigenen Fehler meistens vollkommen blind und bemerkt sie erst, wenn jemand anders einen mit der Nase darauf stösst.
Das ist schön, du schreibst einfach toll! ist zugegebener Massen wohl einer der Sätze, die jeder Autor am liebsten hört, aber als Kritik ist er vollkommen nutzlos.

Daher möchte ich dich bitten, mir ehrlich deine Meinung zu sagen und kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn dir irgendetwas missfällt.
Wenn dir etwas sehr gefällt, darfst du das aber natürlich auch anmerken. Dann weiss ich nämlich, dass ich es das nächste mal wieder so machen kann.

2.  Ich bin nicht meine Geschichte und meine Geschichte ist nicht ich. Bitte vergiss mich, sobald du anfängst, den Roman zu lesen. Stell dir zum Beispiel vor, du hättest das Buch gerade in einer Buchhandlung gekauft und es ist von einem Autor, den du überhaupt nicht kennst, ja nicht einmal weisst, wie er aussieht, da nirgendwo ein Bild von ihm abgedruckt ist.

Die Meinungen, Gedanken, Handlungen und Erlebnisse der Figuren, haben mit den meinen nichts zu tun und sind reine Fiktion. Mach dir von Anfang an klar, dass du mit deinen Kommentaren nicht mich / meinen Charakter / meine Person beurteilst, sondern nur eine Geschichte. Für mich hat alles was du im Kommenden schreiben, denken, vermuten oder meinen wirst, nichts mit mir zu tun, sondern nur mit den Worten auf dem Papier.

3.  Drei Fragen, die dir dabei helfen können, das auszudrücken, was du sagen willst, und die mir helfen werden, deine Meinung zu verstehen:
Was? Warum? Wie sonst?

Hier ein kleines Beispiel, damit du dir eine Idee von dem machen kannst, was ich meine:

Ich finde es nicht gut (Was?), dass du nicht erklärst, wie die Kirche aussieht, ob sie alt ist oder neu, verfallen oder ein barocker Prunkbau (Warum?), weil ich mir so überhaupt nicht vorstellen kann, zu was sie benutzt wird. Ob darin noch Messen gehalten werden, oder ob sie nur eine Ruine in der toskanischen Landschaft ist. (Wie sonst?) Du könntest eine kurze Beschreibung in den Text einfüge, oder, falls die Kirche später im Buch nicht mehr wichtig ist, sie ganz einfach weglassen.

Natürlich müssen deine Kommentare nicht so ausführlich sein. Vor allem das „Wie sonst?“ musst du nicht beantworten, wenn dir nichts einfällt, meine grauen Zellen wollen ja auch noch ein bisschen was zu tun haben. Das einzige, um was ich dich bitte, ist, dass du es begründest, wenn du irgendetwas schlecht / gut findest.

So, jetzt aber genug Theorie!
Ich wünsche dir viel Spass beim Lesen!

Anmerkung um dem Copyright Genüge zu tun und ein bisschen Werbung für einen tollen Blog zu machen:
Anregungen für diesen Text habe ich auf Jackys “Schriftsteller werden”-Blog in einem Beitrag über Konstruktive Kritik gefunden.

Habe gerade vorhin die (von mir erfunden/zusammengebastelten) Namen meiner Protagonisten aus reinem Spass und Übermut mal in google eingegeben, um zu sehen, was dabei herauskommt, d.h. ob es Personen gibt, die tatsächlich so heissen.

Ich werde so etwas nie, NIE mehr wieder tun. Denn A) es gibt Personen, die so heissen und B) sie haben Websites, Facebook, Myspace, was auch immer und da sind Fotos drin und die sind ganz schrecklich und passen so überhaupt nicht zu dem Bild, dass ich von meinen Protas im Kopf habe.

So, das habe ich jetzt davon.  Mist.

In den letzten beiden Monaten habe ich meine Romane und natürlich auch Daniel und Tania sehr vernachlässigt. (Die Gründe dafür kann man in meinem Blog nachlesen). Um ehrlich zu sein, habe ich gar nichts getan, ausser ein bisschen an dem Winddämon rumzubasteln. Wobei das der Roman ist, von dem ich fast zu 100 % sicher bin, dass ich ihn niemals im Leben veröffentlichen kann. Er ist einfach zu experimentell, zu sehr ausserhalb aller Konventionen.

Das traurige ist, dass er der einzige meiner Romane ist, der inzwischen so gut wie fertig ist. Damit meine ich: X-mal überarbeitet und in einem Zustand, in dem ich selbst so gut wie nichts mehr daran machen kann.
Ich werde mich jetzt mal nach einem günstigen Copyshop umsehen und noch vor Weihnachten das Manuskript ein paar mal vervielfältigen, um es dann in Deutschland in meinem Bekanntenkreis zu verteilen. Sowas habe ich noch nie gemacht und ich bin mir ehrlich gesagt über den Erfolg des ganzen auch gar nicht sicher.

Meine Befürchtungen:

  • Die Personen werden es gar nicht lesen oder Jahre dafür brauchen
  • Falls sie es doch lesen, wird der einzige Kommentar, den ich bekomme, sein: Toll, solltest du unbedingt mal zu einem Verlag schicken. Meine Mutter wird wahrscheinlich in Tränen der Rührung ausbrechen [Was ihre Tochter nicht alles macht... Alles in allem sehr hilfreich und nützlich]
  • Jeder wird versuchen Parallelen zu meinem eigenen Leben in den Hauptfiguren zu finden. Dabei ist das der Roman, wo garantiert das wenigste von mir drinsteckt.

Mein Plan um das ganze in geregelte Bahnen zu lenken:

  • Ich gebe ein Zeitlimit von bis zu zwei Monaten vor. Wer glaubt das Manuskript bis dahin nicht lesen zu können, bekommt es nicht. [Ich sehe jetzt schon kommen, dass ich die Stapel Papier dann wieder mit nach Spanien schleppen darf.]
  • Ich werde 100x darauf hinweisen, dass Kommentare erwünscht sind und dass sie in den Papieren rumschmieren und kritzeln dürfen, was sie wollen. Vielleicht lege ich jedem sogar eine Packung Rotstifte bei.
  • Am Ende eines jeden Manuskripts werde ich einen Fragebogen anheften, mit ganz konkreten Fragen zu bestimmten Aspekten oder Dingen, die mir Sorgen machen.
  • Mit den Fragen nach dem Wahrheitsgehalt der Geschichte etc. werde ich wohl leben müssen.

Noch jemand Ideen?

Schon wieder eine Veränderung/ein Umbau…
Ich weiss, ich wühle, grabe und baggere in letzter Zeit in diesem Blog, so als ob ich Gold suchen würde, aber im Grunde versuche ich nur einen Ort daraus zu machen, an dem ich mich wohl fühlen kann, und das ist mir bis jetzt noch nicht so recht gelungen.
Gerade eben habe ich das, was einst die Grundstruktur dieses Blogs ausmachte, nämlich die Beiträge, in denen der Roman entstand, gelöscht.
Warum?
Na ja, weil die Texte von damals nicht mehr viel mit dem aktuellen Roman zu tun haben und mir manche Stellen überhaupt nicht gefallen, bzw. sehr peinlich sind. Ich weiss, dass ich es besser kann, denn ich habe es inzwischen besser, wenn sicherlich auch noch nicht perfekt, gemacht. Und ich will hier keinen falschen Eindruck von meiner Fähigkeit ordentliche Texte zu verfassen, abgeben.
So, und Punkt. Das wars eigentlich auch schon, was ich sagen wollte.

Nachdem ich mit dem Roman im Moment nicht gross vorwärts komme, habe ich mir gedacht, ich könnte mal ein bisschen was über Dinge erzählen, die mir während dem Schreiben weitergeholfen haben.
Bis vor einem Jahr konnte ich ja mit Theorie und Büchern übers Schreiben gar nichts anfangen. Ich kaufte mir zwar hin und wieder mal ein Buch, las es sogar durch, fand es meistens auch relativ interessant, aber danach stellte ich es in irgendein Regal zum Verstauben. Ich schrieb, weil es mir Spass machte, weil die Geschichten irgendwie in meinem Kopf entstanden und raus mussten, mit solch langweiligen Dingen wie Charakteren, Handlungssträngen und Plot-Entwicklung wollte ich mich nicht aufhalten.

Im Dezember 2007 jedoch, an einem langweiligen regnerischen Sonntagnachmittag, holte ich, weil ich sonst überhaupt nichts zu tun hatte, James N. Freys „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ aus dem Schrank und begann darin zu schmökern. Schon nach den ersten paar Seiten überfiel mich eine ziemlich große Unruhe. Die Dinge, über die er sprach, klangen sehr logisch und nachvollziebar und ich hatte unwillkürlich begonnen die Punkte, die er anschnitt, in meinen eigenen Romanen zu suchen und zu überprüfen.
Ich will vorerst mal nicht ins Detail gehen, aber plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich erkannte gleich mehrere Defizite auf einmal. Es war mir unverständlich, dass ich diese nicht schon längst selbst bemerkt hatte.

Fangen wir mit etwas Grundlegendem an. Den Charakteren, Hauptpersonen, Protagonisten, wie auch immer man sie nennen will.
Natürlich kannte ich sie meist relativ gut, sie waren ja meine Kinder, in meinem Kopf entstanden, aber ich ließ mich schließlich dennoch auf den Vorschlag ein, doch mal einen ganzen Lebenslauf für jeden einzelnen zu schreiben.

Von anderer Seite hatte ich oft gehört, dass Autoren „Charakterbögen“ für jede Figur anlegen würden. Also so eine Art Steckbrief mit Name, Augenfarbe, Lieblingsessen etc. Aber damit konnte ich nie viel anfangen. So was war meist schnell ausgefüllt und die Informationen, die ich darin finden sollte, kannte ich eh schon in- und auswendig.

Aber was durch das Lebenslauf schreiben alles ans Tageslicht kam, war wirklich erstaunlich. Daniel z.B., den ich ja nur durch Tanias Augen und Wahrnehmungen kannte, ließ ich in der ersten Person von sich erzählen und er hörte gar nicht mehr auf zu plaudern.
Daniels Lebenslauf, nur mal als Beispiel, könnt ihr (in abgeänderter Form, als Interview, um das ganze für Leser interessanter zu machen) hier nachlesen: Ein Roman in einem Jahr – Übungsaufgabe 19

So ein Lebenslauf ist beim Schreiben eines Romanes sehr nützlich (vor allem dann, wenn man ihn anfertigt bevor man mit dem Schreiben anfängt… na ja, so viel dazu), da man somit schon mal eine Grundstruktur hat, an der man sich als Autor festhalten kann. Ihre Vergangenheit, das Aussehen, ihre Einstellungen, alles was sie erlebt hat, beeinflussen eine Figur, genau wie jeden realen Menschen in ihren/seinen Handlungen. Eine Person z.B., die als Kind, ihre ganze Familie durch einen Verkehrsunfall verloren hat, wird eine andere Einstellung zum Leben haben, als jemand, der behütet im Kreise seiner Eltern und Geschwister aufgewachsen ist.
Natürlich sollte man das ganze aber nicht übertreiben. Manche Schreibratgeber weisen darauf hin, dass man sogar die Farbe der Unterhosen kennen sollte, die der/die ProtagonistIn trägt. m.E. ist das im übertragenen Sinne zu verstehen, aber ich habe allzuoft Aussagen von Autoren gehört, die das wortwörtlich und vollkommen ernst nehmen.
Man sollte sich auf die Ereignisse in der Vergangenheit, die Teile der Persönlichkeit, etc. beschränken, die für den Roman wichtig sind. Hinzufügen kann man später immer noch was, sollte etwas fehlen.

Nachsatz:
Ok, der link funktioniert nicht, egal, was ich anstelle. Versucht es mal so: Ihr geht auf “
Ein Roman in einem Jahr“, wählt rechts ”Kapitel 19 mit Übungsaufgabe” aus, scrollt runter bis zu den Leserbeiträgen und gebt unter “Nach Beitragsnummer suchen” die folgende Nummer ein: 11789
Falls es nicht klappt, melden, dann stell ich den Text vielleicht sogar hier im Blog ein.

Nicht dass ihr denkt, ich wäre in den letzten Wochen auf der faulen Haut gelegen. In meiner Urlaubswoche (ja, noch bevor ich mit den Rösslein in die Berge gewandert bin) habe ich nämlich endlich einen vorläufigen Schlusssatz unter das Manuskript gesetzt. Es ist also nun zum ersten Mal fertig. Das hat schon was. Das erleichtert ungemein. Obwohl ich genau weiss, dass es im Laufe der nächsten Monate (hoffentlich nicht Jahre! – ich drück mir mal die grossen Zehen, da ich die Daumen zum Schreiben brauche) noch x-mal fertig werden wird.
Die erste Hälfte ist nun schon recht gut ausgearbeitet, die zweite lässt aber noch einiges zu wünschen übrig, denn da reihen sich bis jetzt nur Szenen aneinander, die sehr schlampig miteinander verbunden sind.
In der Woche ohne Chefe habe ich dann noch die ersten 20 Seiten so richtig überarbeitet und dann war irgendwie die Luft raus.

Das nervt mich ungemein, denn ich will ja wirklich vorwärts kommen. Früher habe ich mir über solche Schreibflauten keine Sorgen gemacht, und mich, bis die Lust wiederkam, einfach einem anderen Projekt gewidmet. Aber jetzt plagt mich das schlechte Gewissen, wenn ich meine Gedanken zu anderen Geschichten abschweifen lasse.
Gleichzeitig täte es mir leid, diese kreative Phase (bzgl. des anderen Projekts – einem neuen Roman – ja, mir ist nicht zu helfen, ich weiss) ganz einfach zu unterdrücken. Manche Ideen kommen nie wieder.

Wenn ich ein Projekt mal für ein paar Wochen (manchmal auch Monate oder Jahre *ahhhhh*) zu den Akten gelegt habe und überhaupt nicht daran denke, kann ich danach wieder mit frischer Energie drangehen und das ganze viel distanzierter betrachten.
Ich will aber jetzt keine Jahre oder Monate, ja nicht einmal Wochen warten, bis ich weiterschreiben kann! Ich will so schnell wie möglich vorwärts kommen und aus diesen paar hundert Word-Seiten ein funktionierendes Buch machen!

Nicht einmal die aktuelle Übung in Ein Roman in einem Jahr motiviert mich. Wir sollen eine Stelle mit höchstens 3 Sätzen vorstellen, in der wir eine Metapher verwenden.
Das geht im Moment so an dem vorbei, was ich brauche.
Ausserdem haben viele der Teilnehmer nicht einmal eine Stelle aus ihrem Roman vorgestellt, sondern das ganze eher als Spass aufgefasst um ihre superkreative und witzige Seite herauszukehren. Das nervt mich auch schon wieder. Im Moment nervt mich überhaupt alles.

Nun, um mich abzulenken, habe ich beschlossen, dem ganzen jetzt mal zumindest einen Arbeitstitel zu geben. Eine Geschichte mit Anfang und Ende nur “Romanprojekt” oder “Romanexperiment” zu nennen, das geht einfach nicht.
Bis jetzt ist mir allerdings auch dazu noch nichts schlaues eingefallen. “Schrittgeschwindigkeit” heisst die aktuelle Datei auf meinem Computer. Doch mir scheint nomen est omen. Ich glaube, ich sollte das ändern, vielleicht gehts dann wieder vorwärts.

So, hab den Vormittag im Büro genutzt und mich mal per Internet ein bisschen schlau gemacht. Um legal therapieren, eine eigene Praxis führen zu können und eine Kassenzulassung zu bekommen, muss man eine Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten (warum hört sich das bloss so doppelt gemoppelt an?) abgeschlossen haben. Und die dauert Vollzeit mind. 3, Teilzeit mind. 5 Jahre.

Shit!
Daniel muss jetzt entweder sehr viel älter werden oder aber ich muss mir was anderes überlegen.
Er könnte z.B. nur eine Zusatzausbildung zum Klinischen Musiktherapeuten (ohne Hochschulabschluss) noch während seiner Psychotherapeutenausbildung abgeschlossen haben. Oder er könnte gleich von vornherein einen Musiktherapiestudiengang belegt und danach eine Ausbildung zum Kinder- und Jugendpsychotherapeuten gemacht haben. Oder er befindet sich gerade noch in der Ausbildung, aber das wäre ziemlich nervig.

Wahrscheinlich sollte man sowas alles recherchieren, bevor man mit einem Roman anfängt, aber ich denke, oft ergeben sich gewisse Dinge auch erst mit der Zeit. Jede Figur hat ein gewisses Eigenleben, das sich erst während dem Schreiben offenbart.
Ausserdem denke ich, dass umschreiben, umgestalten und neue Dinge, vielleicht sogar Handlungsstränge hinzuzufügen, eine Geschichte nur beleben kann.

Gestern Abend habe ich 2 Stunden damit verbracht einen Grundriss von Daniels Wohnung zu zeichnen.

Warum?
Weil ich bei einer Szene bemerkte, dass seine Wohnung, die Verbindungstüren zwischen den Zimmern, die Lage der einzelnen Räume etc. egal wie man es drehte und wendete, so wie ich mir das immer vorgestellt hatte, gar nicht existieren können. Das ganze wäre nicht nur bautechnisch, sondern auch logisch vollkommen unmöglich gewesen.

Sowas müsste man als Autor von Anfang an merken?
Ja, Pustekuchen.
In meinem Kopf entstehen beim Schreiben automatisch Bilder von den Orten, an denen die Handlung stattfindet. Sie sind einfach da, da kann ich gar nichts machen. Ich muss dabei auch nicht gross überlegen, nein, die kommen ganz von selbst. Wenn ich an einer bestimmten Stelle z.B. die Tür zum Schlafzimmer brauche, dann baut mein Gehirn sie ganz einfach dort ein, ohne sich zu fragen, ob das überhaupt möglich ist.

Nun, jedenfalls hat Daniels Wohnung jetzt einen festen Grundriss und er hat sogar noch eine richtige Praxis und nicht nur ein Büro dazubekommen. Tja, so schnell kann das gehen. Jetzt muss ich zwar wieder anfangen umzuschreiben, aber das macht nichts. Das ganze passte einfach zu perfekt. Der kleine Anbau, der früher mal eine Garage war, wurde mit dem Haus verbunden und somit konnte ein weiterer Raum + kleinen Flur dazugewonnen werden, der durch eine Verbindungstür von Daniels Büro aus zu erreichen ist und einen separaten Eingang hat, damit die Patienten nicht durch die Wohnung gehen müssen.
Das war wie ein Flash, ich sah die raue weiss getünchte Aussenwand des flachen Anbaus vor mir, die Eingangstür aus weiss lackiertem Holz mit dem, in vier Quadrate unterteilten, Fenster aus strukturiertem und dadurch undurchsichtigen Glas im oberen Teil, das Namensschild rechts daneben auf Augenhöhe, bronzefarben mit schwarzer Schrift. Daniel Ellwein, Dipl. Psychologe. Und schon war es geschehen.

Ich bin jedenfalls immer noch hellauf begeistert. Durch diese kleine Übung ist mir die Wohnung viel näher gekommen und ich habe das Gefühl, gedanklich darin herumspazieren zu können und wie ein neugieriger Besucher Ecken und Winkel entdecken zu können, die ich bis jetzt noch nicht bemerkt habe. Ja, bisweilen ziehe ich sogar Schubladen auf oder wühle in Schränken, entdecke Bilder an den Wänden oder Kratzer im Boden.

Gedankliche Notiz:
Ich muss jetzt endlich unbedingt herausfinden, was genau man für eine Ausbildung braucht, um als Psychologe praktizieren zu dürfen, eine Kassenzulassung zu bekommen etc.
Reicht da das Diplom oder muss man zwingend noch ein Aufbaustudium zum Psychotherapeuten machen? Das wäre nämlich in Daniels Fall ganz schlecht. Der hat nach dem Psychologiestudium ja noch einen Abschluss als Musiktherapeut gemacht, da hätte der für sowas gar keine Zeit gehabt.

Um ehrlich zu sein, muss ich noch sehr sehr viel über dieses Berufsfeld herausfinden, auch wenn das ganze dann im Roman insgesammt vielleicht nicht mehr als eine Seite Erwähnung findet. Peinliche Fehler sind schnell gemacht und ausserdem ermöglicht jedes Gramm Wissen eine detailliertere und authentischere Beschreibung und somit eine lebendigere und wirklichkeitsnähere Gestaltung der Geschichte. Davon bin ich überzeugt.
Wow, ich sollte einen Ratgeber schreiben. :-D :-D :-D Keine Ahnung von nichts, aber eine grosse Klappe.

PS: Falls sich unter meinen werten Lesern ein Psychologe befindet oder jemand der einen Psychologen kennt, der Lust hätte ein bisschen zu plaudern, spendiere ich gerne einen Kaffee, oder zwei, oder drei. Vielleicht sogar ein Abendessen (aber nur wenn der Psychologe männlich und vorzeigbar ist ;-)   )

Nein, ihr braucht nicht um meinen mentalen Zustand zu fürchten. Ich mache mir keine Hoffnungen über diesen Blog an Informationen zu gelangen. Aber einen Versuch ist es immerhin wert.

Ich muss gestehen, das Romanexperiment, so wie es am Anfang gedacht war, existiert nicht mehr.
Der Roman an sich nimmt dagegen immer deutlichere Formen an. Ich habe lange gezweifelt, aber schliesslich beschlossen, hier keine neuen Teile mehr einzustellen. Erstens soll sich das Buch ja irgendwann auch noch verkaufen, zweitens erfolgen die Änderungen teils so schnell oder so umfassend, dass ich mit der Aktualisierung der Texte gar nicht nachkommen würde. Weite Teile des Romans haben mit den “Urtexten” inzwischen nicht mehr viel gemeinsam, weder im Inhalt noch im Aufbau.

Um den Blog nicht ganz zu schliessen, werde ich hier aber weiterhin über den Fortschritt meiner Arbeit berichten, – was ich in den vergangenen Monaten ja auch nicht getan habe. Vielleicht können meine Erfahrungen und Erlebnisse anderen unveröffentlichten Autoren wie mir, weiterhelfen. Und sei es nur indem sie meine Fehler nicht wiederholen. ;-)

LG
Azahar

So, ganz wie versprochen, ist das Romanprojekt diese Woche nun wieder online gegangen. Wie ihr seht, hat sich nicht viel verändert. Das neue Passwort bekommen die Leser, die schon danach gefragt haben, falls ich es schaffe noch heute, wenn nicht, dann morgen, zugeschickt.
Damit ihr auch gleich was zu lesen habt, habe ich Teil Nr. 16 eingestellt.

Ich muss gestehen, mir ist das ganze in letzter Zeit sehr wichtig geworden. Die Idee für einen kompletten Roman ist nun da und eine Rohfassung habe ich schon geschrieben. Mir fehlen nur noch ca. 20 Seiten (obwohl, das weiß man im voraus nie so genau, es könnten auch noch 100 werden ;-) ) und der Schluss steht eigentlich schon fest, nur habe ich die Kurve dorthin noch nicht so recht gekriegt… Aber das sollte das geringste Problem sein, auf irgendeine Weise führen alle Wege nach Rom, bzw. zum RomAnende.

Ich hoffe, ihr nehmt es mir nicht übel, dass ihr das ganze nur häppchenweise zu lesen bekommt, aber sonst wär die Spannung doch schon morgen vorbei! ;-) Gell?! Nur so viel: Das, was bis jetzt hier steht, ist nicht mal die Hälfte dessen, was euch noch erwartet.

Für mich kommt jetzt erst die richtig harte Arbeit. Aus dieser Aneinanderreihung von Szenen muss nun ein gut strukturiertes Buch werden. Eine Geschichte mit kausalen Zusammenhängen die auf einen, auf DEN Höhepunkt zuläuft. Alles was nichts damit zu tun hat, bzw. für die Argumentation überflüssig ist, muss, so leid es mir tut, gestrichen werden. Vor allem in den späteren Kapiteln (die ihr noch nicht gelesen habt *hehehe*), wird da einiges rausfliegen.

Ich werde von nun an also auch immer wieder schreibtechnische Beiträge bringen und vorgenommene Veränderungen (die hoffentlich Verbesserungen sind) einstellen.

Davon braucht ihr euch aber nicht beirren zu lassen. Die Fortsetzung des Romans wird weiterhin durchnummeriert und ist unter der Kategorie “Der Roman” zu finden.

Anmerkungen, Gedanken, Technisches findet ihr vorerst auch alles weiterhin unter “So nebenbei“. Sobald ich mir ein anderes System überlegt habe, wird dieses selbstverfreilich angekündigt.

Die überarbeiteten, schöneren, polierten, glänzenden Romanteile gibt es dann unter “Roman 2.0″ zu lesen. Ich werde mein bestes tun, das ganze chronologisch zu halten.

So, ich glaube, mehr gibt es im Moment nicht zu sagen.
Über Kritik, Kommentare, Meinungen etc. bin ich wie immer hocherfreut.

Demütigst,
Azahar