Romanexperiment

back to the roots

Verfasst von azahar am November 20, 2009

Für alle die’s noch interessiert, bzw. die sich noch daran erinnern können:

Der Roman aus dem / wegen dem dieser Blog entstanden ist, ist wieder in Bearbeitung.
Und ich muss gestehen, ich habe Tania und Daniel vermisst!
Sie hüpfen nun wieder ganz branheiss und aktuell auf meinem Schreibtisch herum, bevölkern meine Tagträume und die halbe Stunde die ich abends vorm Einschlafen noch wachliege.
Meine Finger jucken und der Drang Schreiben zu müssen ist überwältigend.
Die losen Textfetzen aus denen der zweite Teil bestand, fügen sich in einer Geschwindigkeit zu einer glatte, seidigen Geschichte zusammen, die mich selbst überrascht.
Ideen brechen auf wie Knospen im Frühling…
… ok, lassen wir es dabei.

Wenn ich Glück (Zeit) habe, kann ich am Ende des Jahres vielleicht endlich zur ersten Überarbeitung schreiten. d.h. intensivster Korrekturdurchgang, Wörter streichen, endlich die vielen Stellen ausbessern mit denen ich mich nie wohl gefühlt habe …

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der richtige Abstand

Verfasst von azahar am November 3, 2009

20 Wochen Schwangerschaft, eine Geburt, sechs Monate Babypflege und eine Million gefühlte Stunden ungesättigten Schreibhunger später…

… habe ich das Gefühl wieder ganz am Anfang zu stehen.

Die Schreibfäden sind gerissen, die mich wochen- und monatelang an bestimmte Texte gebunden haben und mich sobald ich mich an den Computer setzte sofort wieder in die Geschichte eintauchen liessen.

Dafür hatte ich sehr viel Zeit zum Nachdenken und ich muss gestehen, ich habe meine Geschichten bisher gar nicht richtig gekannt.

So viel Potential das ich ganz einfach übersehen habe.
So viel Schrott in dem ich blind wie ein Maulwurf jahrelang herumgewühlt habe.
So viele Blickwinkel aus denen ich sie schon längst hätte betrachten sollen.

und so viele neue Ideen und Verbesserungsvorschläge, dass ich sie bei meiner jetzt knapp bemessenen Zeit niemals werde umsetzen können. *seufz*

Ich sollte mich also auf das wesentliche konzentrieren. Aber was ist wesentlich genug, damit ich es in den zwei Stunden die mein Töchterchen mal am Stück schläft umsetzen kann? Wo anfangen?

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Anweisung für Testleser

Verfasst von azahar am Januar 8, 2009

Ich habe es tatsächlich noch vor Weihnachten geschafft:
Den Winddämon (der übrigens jetzt Daimonión heisst, ja das hängt mit Sokrates und dem Gewissen und so zusammen…) zu überarbeiten und einen Fragebogen zu erstellen. Obwohl ich mir inzwischen denke, dass ich die Leser noch viel mehr hätte fragen sollen… na ja, vielleicht kommt das noch, seid schon mal gewarnt! *hehehe*

Auf ajounies und Fudges Anregung hin habe ich eine kurze Arbeitsanweisung für die Testleser geschrieben. Vielen Dank euch beiden für die Idee! Die war goldwert!

Vielleicht könnte das ganze auch als Anregung für andere Autoren dienen, die ihren Testlesern einen Schubs in die gewünschte Richtung geben wollen, deshalb stelle ich das ganze hier mal ein (und auch wenn diese Leserunde inzwischen schon angelaufen ist, bin ich natürlich trotzdem dankbar für alle Verbesserungsvorschläge): Den Rest des Beitrags lesen »

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Wie war das gleich nochmal mit der Neugierde?

Verfasst von azahar am November 18, 2008

Habe gerade vorhin die (von mir erfunden/zusammengebastelten) Namen meiner Protagonisten aus reinem Spass und Übermut mal in google eingegeben, um zu sehen, was dabei herauskommt, d.h. ob es Personen gibt, die tatsächlich so heissen.

Ich werde so etwas nie, NIE mehr wieder tun. Denn A) es gibt Personen, die so heissen und B) sie haben Websites, Facebook, Myspace, was auch immer und da sind Fotos drin und die sind ganz schrecklich und passen so überhaupt nicht zu dem Bild, dass ich von meinen Protas im Kopf habe.

So, das habe ich jetzt davon.  Mist.

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Noch jemand Ideen?

Verfasst von azahar am November 17, 2008

In den letzten beiden Monaten habe ich meine Romane und natürlich auch Daniel und Tania sehr vernachlässigt. (Die Gründe dafür kann man in meinem Blog nachlesen). Um ehrlich zu sein, habe ich gar nichts getan, ausser ein bisschen an dem Winddämon rumzubasteln. Wobei das der Roman ist, von dem ich fast zu 100 % sicher bin, dass ich ihn niemals im Leben veröffentlichen kann. Er ist einfach zu experimentell, zu sehr ausserhalb aller Konventionen.

Das traurige ist, dass er der einzige meiner Romane ist, der inzwischen so gut wie fertig ist. Damit meine ich: X-mal überarbeitet und in einem Zustand, in dem ich selbst so gut wie nichts mehr daran machen kann.
Ich werde mich jetzt mal nach einem günstigen Copyshop umsehen und noch vor Weihnachten das Manuskript ein paar mal vervielfältigen, um es dann in Deutschland in meinem Bekanntenkreis zu verteilen. Sowas habe ich noch nie gemacht und ich bin mir ehrlich gesagt über den Erfolg des ganzen auch gar nicht sicher.

Meine Befürchtungen:

  • Die Personen werden es gar nicht lesen oder Jahre dafür brauchen
  • Falls sie es doch lesen, wird der einzige Kommentar, den ich bekomme, sein: Toll, solltest du unbedingt mal zu einem Verlag schicken. Meine Mutter wird wahrscheinlich in Tränen der Rührung ausbrechen [Was ihre Tochter nicht alles macht... Alles in allem sehr hilfreich und nützlich]
  • Jeder wird versuchen Parallelen zu meinem eigenen Leben in den Hauptfiguren zu finden. Dabei ist das der Roman, wo garantiert das wenigste von mir drinsteckt.

Mein Plan um das ganze in geregelte Bahnen zu lenken:

  • Ich gebe ein Zeitlimit von bis zu zwei Monaten vor. Wer glaubt das Manuskript bis dahin nicht lesen zu können, bekommt es nicht. [Ich sehe jetzt schon kommen, dass ich die Stapel Papier dann wieder mit nach Spanien schleppen darf.]
  • Ich werde 100x darauf hinweisen, dass Kommentare erwünscht sind und dass sie in den Papieren rumschmieren und kritzeln dürfen, was sie wollen. Vielleicht lege ich jedem sogar eine Packung Rotstifte bei.
  • Am Ende eines jeden Manuskripts werde ich einen Fragebogen anheften, mit ganz konkreten Fragen zu bestimmten Aspekten oder Dingen, die mir Sorgen machen.
  • Mit den Fragen nach dem Wahrheitsgehalt der Geschichte etc. werde ich wohl leben müssen.

Noch jemand Ideen?

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Weg damit!

Verfasst von azahar am September 15, 2008

Schon wieder eine Veränderung/ein Umbau…
Ich weiss, ich wühle, grabe und baggere in letzter Zeit in diesem Blog, so als ob ich Gold suchen würde, aber im Grunde versuche ich nur einen Ort daraus zu machen, an dem ich mich wohl fühlen kann, und das ist mir bis jetzt noch nicht so recht gelungen.
Gerade eben habe ich das, was einst die Grundstruktur dieses Blogs ausmachte, nämlich die Beiträge, in denen der Roman entstand, gelöscht.
Warum?
Na ja, weil die Texte von damals nicht mehr viel mit dem aktuellen Roman zu tun haben und mir manche Stellen überhaupt nicht gefallen, bzw. sehr peinlich sind. Ich weiss, dass ich es besser kann, denn ich habe es inzwischen besser, wenn sicherlich auch noch nicht perfekt, gemacht. Und ich will hier keinen falschen Eindruck von meiner Fähigkeit ordentliche Texte zu verfassen, abgeben.
So, und Punkt. Das wars eigentlich auch schon, was ich sagen wollte.

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Lebensläufe

Verfasst von azahar am September 8, 2008

Nachdem ich mit dem Roman im Moment nicht gross vorwärts komme, habe ich mir gedacht, ich könnte mal ein bisschen was über Dinge erzählen, die mir während dem Schreiben weitergeholfen haben.
Bis vor einem Jahr konnte ich ja mit Theorie und Büchern übers Schreiben gar nichts anfangen. Ich kaufte mir zwar hin und wieder mal ein Buch, las es sogar durch, fand es meistens auch relativ interessant, aber danach stellte ich es in irgendein Regal zum Verstauben. Ich schrieb, weil es mir Spass machte, weil die Geschichten irgendwie in meinem Kopf entstanden und raus mussten, mit solch langweiligen Dingen wie Charakteren, Handlungssträngen und Plot-Entwicklung wollte ich mich nicht aufhalten.

Im Dezember 2007 jedoch, an einem langweiligen regnerischen Sonntagnachmittag, holte ich, weil ich sonst überhaupt nichts zu tun hatte, James N. Freys „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ aus dem Schrank und begann darin zu schmökern. Schon nach den ersten paar Seiten überfiel mich eine ziemlich große Unruhe. Die Dinge, über die er sprach, klangen sehr logisch und nachvollziebar und ich hatte unwillkürlich begonnen die Punkte, die er anschnitt, in meinen eigenen Romanen zu suchen und zu überprüfen.
Ich will vorerst mal nicht ins Detail gehen, aber plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich erkannte gleich mehrere Defizite auf einmal. Es war mir unverständlich, dass ich diese nicht schon längst selbst bemerkt hatte.

Fangen wir mit etwas Grundlegendem an. Den Charakteren, Hauptpersonen, Protagonisten, wie auch immer man sie nennen will.
Natürlich kannte ich sie meist relativ gut, sie waren ja meine Kinder, in meinem Kopf entstanden, aber ich ließ mich schließlich dennoch auf den Vorschlag ein, doch mal einen ganzen Lebenslauf für jeden einzelnen zu schreiben.

Von anderer Seite hatte ich oft gehört, dass Autoren „Charakterbögen“ für jede Figur anlegen würden. Also so eine Art Steckbrief mit Name, Augenfarbe, Lieblingsessen etc. Aber damit konnte ich nie viel anfangen. So was war meist schnell ausgefüllt und die Informationen, die ich darin finden sollte, kannte ich eh schon in- und auswendig.

Aber was durch das Lebenslauf schreiben alles ans Tageslicht kam, war wirklich erstaunlich. Daniel z.B., den ich ja nur durch Tanias Augen und Wahrnehmungen kannte, ließ ich in der ersten Person von sich erzählen und er hörte gar nicht mehr auf zu plaudern.
Daniels Lebenslauf, nur mal als Beispiel, könnt ihr (in abgeänderter Form, als Interview, um das ganze für Leser interessanter zu machen) hier nachlesen: Ein Roman in einem Jahr – Übungsaufgabe 19

So ein Lebenslauf ist beim Schreiben eines Romanes sehr nützlich (vor allem dann, wenn man ihn anfertigt bevor man mit dem Schreiben anfängt… na ja, so viel dazu), da man somit schon mal eine Grundstruktur hat, an der man sich als Autor festhalten kann. Ihre Vergangenheit, das Aussehen, ihre Einstellungen, alles was sie erlebt hat, beeinflussen eine Figur, genau wie jeden realen Menschen in ihren/seinen Handlungen. Eine Person z.B., die als Kind, ihre ganze Familie durch einen Verkehrsunfall verloren hat, wird eine andere Einstellung zum Leben haben, als jemand, der behütet im Kreise seiner Eltern und Geschwister aufgewachsen ist.
Natürlich sollte man das ganze aber nicht übertreiben. Manche Schreibratgeber weisen darauf hin, dass man sogar die Farbe der Unterhosen kennen sollte, die der/die ProtagonistIn trägt. m.E. ist das im übertragenen Sinne zu verstehen, aber ich habe allzuoft Aussagen von Autoren gehört, die das wortwörtlich und vollkommen ernst nehmen.
Man sollte sich auf die Ereignisse in der Vergangenheit, die Teile der Persönlichkeit, etc. beschränken, die für den Roman wichtig sind. Hinzufügen kann man später immer noch was, sollte etwas fehlen.

Nachsatz:
Ok, der link funktioniert nicht, egal, was ich anstelle. Versucht es mal so: Ihr geht auf “
Ein Roman in einem Jahr“, wählt rechts ”Kapitel 19 mit Übungsaufgabe” aus, scrollt runter bis zu den Leserbeiträgen und gebt unter “Nach Beitragsnummer suchen” die folgende Nummer ein: 11789
Falls es nicht klappt, melden, dann stell ich den Text vielleicht sogar hier im Blog ein.

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0,5 km/h

Verfasst von azahar am September 3, 2008

Nicht dass ihr denkt, ich wäre in den letzten Wochen auf der faulen Haut gelegen. In meiner Urlaubswoche (ja, noch bevor ich mit den Rösslein in die Berge gewandert bin) habe ich nämlich endlich einen vorläufigen Schlusssatz unter das Manuskript gesetzt. Es ist also nun zum ersten Mal fertig. Das hat schon was. Das erleichtert ungemein. Obwohl ich genau weiss, dass es im Laufe der nächsten Monate (hoffentlich nicht Jahre! – ich drück mir mal die grossen Zehen, da ich die Daumen zum Schreiben brauche) noch x-mal fertig werden wird.
Die erste Hälfte ist nun schon recht gut ausgearbeitet, die zweite lässt aber noch einiges zu wünschen übrig, denn da reihen sich bis jetzt nur Szenen aneinander, die sehr schlampig miteinander verbunden sind.
In der Woche ohne Chefe habe ich dann noch die ersten 20 Seiten so richtig überarbeitet und dann war irgendwie die Luft raus.

Das nervt mich ungemein, denn ich will ja wirklich vorwärts kommen. Früher habe ich mir über solche Schreibflauten keine Sorgen gemacht, und mich, bis die Lust wiederkam, einfach einem anderen Projekt gewidmet. Aber jetzt plagt mich das schlechte Gewissen, wenn ich meine Gedanken zu anderen Geschichten abschweifen lasse.
Gleichzeitig täte es mir leid, diese kreative Phase (bzgl. des anderen Projekts – einem neuen Roman – ja, mir ist nicht zu helfen, ich weiss) ganz einfach zu unterdrücken. Manche Ideen kommen nie wieder.

Wenn ich ein Projekt mal für ein paar Wochen (manchmal auch Monate oder Jahre *ahhhhh*) zu den Akten gelegt habe und überhaupt nicht daran denke, kann ich danach wieder mit frischer Energie drangehen und das ganze viel distanzierter betrachten.
Ich will aber jetzt keine Jahre oder Monate, ja nicht einmal Wochen warten, bis ich weiterschreiben kann! Ich will so schnell wie möglich vorwärts kommen und aus diesen paar hundert Word-Seiten ein funktionierendes Buch machen!

Nicht einmal die aktuelle Übung in Ein Roman in einem Jahr motiviert mich. Wir sollen eine Stelle mit höchstens 3 Sätzen vorstellen, in der wir eine Metapher verwenden.
Das geht im Moment so an dem vorbei, was ich brauche.
Ausserdem haben viele der Teilnehmer nicht einmal eine Stelle aus ihrem Roman vorgestellt, sondern das ganze eher als Spass aufgefasst um ihre superkreative und witzige Seite herauszukehren. Das nervt mich auch schon wieder. Im Moment nervt mich überhaupt alles.

Nun, um mich abzulenken, habe ich beschlossen, dem ganzen jetzt mal zumindest einen Arbeitstitel zu geben. Eine Geschichte mit Anfang und Ende nur “Romanprojekt” oder “Romanexperiment” zu nennen, das geht einfach nicht.
Bis jetzt ist mir allerdings auch dazu noch nichts schlaues eingefallen. “Schrittgeschwindigkeit” heisst die aktuelle Datei auf meinem Computer. Doch mir scheint nomen est omen. Ich glaube, ich sollte das ändern, vielleicht gehts dann wieder vorwärts.

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das Freud mich jetzt gar nicht

Verfasst von azahar am August 6, 2008

So, hab den Vormittag im Büro genutzt und mich mal per Internet ein bisschen schlau gemacht. Um legal therapieren, eine eigene Praxis führen zu können und eine Kassenzulassung zu bekommen, muss man eine Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten (warum hört sich das bloss so doppelt gemoppelt an?) abgeschlossen haben. Und die dauert Vollzeit mind. 3, Teilzeit mind. 5 Jahre.

Shit!
Daniel muss jetzt entweder sehr viel älter werden oder aber ich muss mir was anderes überlegen.
Er könnte z.B. nur eine Zusatzausbildung zum Klinischen Musiktherapeuten (ohne Hochschulabschluss) noch während seiner Psychotherapeutenausbildung abgeschlossen haben. Oder er könnte gleich von vornherein einen Musiktherapiestudiengang belegt und danach eine Ausbildung zum Kinder- und Jugendpsychotherapeuten gemacht haben. Oder er befindet sich gerade noch in der Ausbildung, aber das wäre ziemlich nervig.

Wahrscheinlich sollte man sowas alles recherchieren, bevor man mit einem Roman anfängt, aber ich denke, oft ergeben sich gewisse Dinge auch erst mit der Zeit. Jede Figur hat ein gewisses Eigenleben, das sich erst während dem Schreiben offenbart.
Ausserdem denke ich, dass umschreiben, umgestalten und neue Dinge, vielleicht sogar Handlungsstränge hinzuzufügen, eine Geschichte nur beleben kann.

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Gedankenarchitektur

Verfasst von azahar am August 1, 2008

Gestern Abend habe ich 2 Stunden damit verbracht einen Grundriss von Daniels Wohnung zu zeichnen.

Warum?
Weil ich bei einer Szene bemerkte, dass seine Wohnung, die Verbindungstüren zwischen den Zimmern, die Lage der einzelnen Räume etc. egal wie man es drehte und wendete, so wie ich mir das immer vorgestellt hatte, gar nicht existieren können. Das ganze wäre nicht nur bautechnisch, sondern auch logisch vollkommen unmöglich gewesen.

Sowas müsste man als Autor von Anfang an merken?
Ja, Pustekuchen.
In meinem Kopf entstehen beim Schreiben automatisch Bilder von den Orten, an denen die Handlung stattfindet. Sie sind einfach da, da kann ich gar nichts machen. Ich muss dabei auch nicht gross überlegen, nein, die kommen ganz von selbst. Wenn ich an einer bestimmten Stelle z.B. die Tür zum Schlafzimmer brauche, dann baut mein Gehirn sie ganz einfach dort ein, ohne sich zu fragen, ob das überhaupt möglich ist.

Nun, jedenfalls hat Daniels Wohnung jetzt einen festen Grundriss und er hat sogar noch eine richtige Praxis und nicht nur ein Büro dazubekommen. Tja, so schnell kann das gehen. Jetzt muss ich zwar wieder anfangen umzuschreiben, aber das macht nichts. Das ganze passte einfach zu perfekt. Der kleine Anbau, der früher mal eine Garage war, wurde mit dem Haus verbunden und somit konnte ein weiterer Raum + kleinen Flur dazugewonnen werden, der durch eine Verbindungstür von Daniels Büro aus zu erreichen ist und einen separaten Eingang hat, damit die Patienten nicht durch die Wohnung gehen müssen.
Das war wie ein Flash, ich sah die raue weiss getünchte Aussenwand des flachen Anbaus vor mir, die Eingangstür aus weiss lackiertem Holz mit dem, in vier Quadrate unterteilten, Fenster aus strukturiertem und dadurch undurchsichtigen Glas im oberen Teil, das Namensschild rechts daneben auf Augenhöhe, bronzefarben mit schwarzer Schrift. Daniel Ellwein, Dipl. Psychologe. Und schon war es geschehen.

Ich bin jedenfalls immer noch hellauf begeistert. Durch diese kleine Übung ist mir die Wohnung viel näher gekommen und ich habe das Gefühl, gedanklich darin herumspazieren zu können und wie ein neugieriger Besucher Ecken und Winkel entdecken zu können, die ich bis jetzt noch nicht bemerkt habe. Ja, bisweilen ziehe ich sogar Schubladen auf oder wühle in Schränken, entdecke Bilder an den Wänden oder Kratzer im Boden.

Gedankliche Notiz:
Ich muss jetzt endlich unbedingt herausfinden, was genau man für eine Ausbildung braucht, um als Psychologe praktizieren zu dürfen, eine Kassenzulassung zu bekommen etc.
Reicht da das Diplom oder muss man zwingend noch ein Aufbaustudium zum Psychotherapeuten machen? Das wäre nämlich in Daniels Fall ganz schlecht. Der hat nach dem Psychologiestudium ja noch einen Abschluss als Musiktherapeut gemacht, da hätte der für sowas gar keine Zeit gehabt.

Um ehrlich zu sein, muss ich noch sehr sehr viel über dieses Berufsfeld herausfinden, auch wenn das ganze dann im Roman insgesammt vielleicht nicht mehr als eine Seite Erwähnung findet. Peinliche Fehler sind schnell gemacht und ausserdem ermöglicht jedes Gramm Wissen eine detailliertere und authentischere Beschreibung und somit eine lebendigere und wirklichkeitsnähere Gestaltung der Geschichte. Davon bin ich überzeugt.
Wow, ich sollte einen Ratgeber schreiben. :-D :-D :-D Keine Ahnung von nichts, aber eine grosse Klappe.

PS: Falls sich unter meinen werten Lesern ein Psychologe befindet oder jemand der einen Psychologen kennt, der Lust hätte ein bisschen zu plaudern, spendiere ich gerne einen Kaffee, oder zwei, oder drei. Vielleicht sogar ein Abendessen (aber nur wenn der Psychologe männlich und vorzeigbar ist ;-)   )

Nein, ihr braucht nicht um meinen mentalen Zustand zu fürchten. Ich mache mir keine Hoffnungen über diesen Blog an Informationen zu gelangen. Aber einen Versuch ist es immerhin wert.

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